26.02.2018

Rückblick zur Gemeinschaftsveranstaltung von IHK & BME Saar zur Energie- und Rohstoffbeschaffung: "Aktuelle Marktsituation und Preisprognosen 2018"

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Wie in den letzten Jahren war die traditionelle Jahresauftaktveranstaltung des BME Region Saar und der IHK Saarland mit 70 Teilnehmern sehr gut besucht. Auffällig war die hohe Zahl an jungen Teilnehmern, hauptsächlich Studenten des Master-Studiengangs Supply Chain Management der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, die Prof. Dr. Korne für die Veranstaltung begeistern konnte.

Andreas Gehring, Vorstandsvorsitzender des BME Saar, betonte in seiner Anmoderation die Bedeutung des Nachwuchses für den BME Saar und kündigte für Juli dieses Jahres eine Neuauflage der Fachkonferenz für Young Professionals aus Einkauf, Logistik und Supply Chain Management an. Des Weiteren informierte Gehring über ein neues Veranstaltungsformat des BME Saar. Im vierteljährlichen Rhythmus tauschen sich 15 bis 20 Mitglieder im Rahmen eines „roundtable“ in einer ergebnisoffenen Diskussion zu einem bestimmten Thema aus. Die Auftaktveranstaltung im März steht unter dem Motto „Stärkung der Kooperation zwischen Einkauf und Fachabteilung“. Es folgen „roundtables“ zu den Themen Verhandlungsvorbereitung und -durchführung sowie Risikomanagement. Bei entsprechender Resonanz wird das Format 2019 mit weiteren spannenden Themen fortgeführt. Neben mehreren Firmenbesuchen rundet im Herbst ein Fachvortrag zum Thema Digitalisierung des Einkaufs das abwechslungsreiche Programm des BME Saar ab.

Damit leitete Gehring zum Hauptvortrag von Torsten Maus zur Energie- und Rohstoffbeschaffung über. Torsten Maus, Rohstoffanalyst der ZF Friedrichshafen AG in Saarbrücken, betonte, dass eine Prognose in diesem Jahr ungleich schwieriger sei als im Vorjahr. Das überraschte, stand doch die Veranstaltung 2017 unter dem Eindruck des Trump- und Brexit-Schocks. Dennoch: „Vorauszusagen wie lange ein Trend läuft sind deutlich schwieriger als einen preislichen Umkehrpunkt zu analysieren“, so Maus. Trump hat der Wirtschaft der USA und damit der Weltwirtschaft entgegen der medialen Wahrnehmung indes keineswegs geschadet, sie weist weiterhin einen intakten Aufwärtstrend auf. Mit einem erwarteten Wachstum von 2,7% entwickeln sich alle Rahmenparameter weiterhin positiv.

Aufwärtstendenzen weist auch das Zinsniveau auf. Steigende Ölpreise sind ein starker Inflationsindikator und damit ein Zeichen für steigende Zinsen.  Mit steigenden Zinsen wird dem Markt Geld entzogen, das in der Folge dem Aktienmarkt und der Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung steht. Die allgemeine Hysterie hält Maus dennoch für übertrieben. Beendet wird die Phase der Anleihekäufe durch die Notenbanken, womit dem Markt Liquidität entzogen wird und Bremseffekte in der Wirtschaft befürchtet werden. Damit ist die Zeit des billigen Geldes zunehmend vorüber. Inflation und steigende Zinsen werden spätestens zum Jahreswechsel 2018/19 den Euroraum erreichen.

In Europa steht die Exportwirtschaft nicht zuletzt wegen den durch die E-Mobilität verunsicherten Automobilmärkten und dem stärker werdenden Euro unter Druck. Dennoch ist die Entwicklung positiv: die Produktionskapazitäten sind ausgelastet und der DAX zeigt sich verhältnismäßig stabil, auch wenn er gegenüber den USA schlechter performt. Nicht zuletzt wegen der Erholung der ehemaligen Krisenmärkte Spanien, Portugal und sogar Griechenland bewegte sich der Euro auf einem Niveau, das von Analysten nicht erwartet wurde. Maus erwartet sogar noch eine geringfügige Steigerung bis zur realen Kaufkraftparität, die Analysten bei ca. 1,28 Euro sehen: „die Eurokrise wird zurückgehandelt, dieser Effekt überdeckt den Abwertungsdruck, der von der Zinsseite in einem normalen Marktumfeld zu erwarten wäre“.

In China ist der Aktienmarkt immer noch weit von seinem Hoch vor der Immobilienkrise 2015 entfernt. Positive Signale für die chinesische Wirtschaft ergeben sich aus der Tatsache, dass die chinesische Politik das Wachstum bei 6,5% festsetzen will. Außergewöhnliche Dynamik verhindert der Effekt des starken und damit exporthemmenden starken Yuan, der durch die Binnennachfrage nicht kompensiert werden kann.

Bei Rohstoffen sieht Torsten Maus eine breite Bewegung vom Käufer- zum Verkäufermarkt. Bei Industriemetallen stiegen die Preis 2017 um 32%, bei Energie um 16%. Gegenwind für Einkäufer und höchste Zeit sich Gedanken über neue Strategien zu machen. Beim Stahl wird sich mittelfristig zeigen, welche Auswirkungen die drohenden Zölle der USA haben werden. Beim Aluminium sieht Maus keine Tendenz zu Preissteigerungen. Im Gegensatz zum Kupfer, das für die Herstellung von Elektrofahrzeugen benötigt wird und für das die Fondsmanager bereits ihr Herz entdeckt haben. Gleiches gilt für das Rohöl. Nach einer Pause der Beruhigung sind die Spekulanten wieder zurück. Spekulationen und eine weiterhin stabile Nachfrage lassen einen weiteren geringfügigen Zuwachs erwarten. Längerfristig wird allerdings im Zuge der die E-Mobilität ein Sinken der Nachfrage und damit ein Überangebot an Öl erwartet.

Im Energiebereich werden fallende Kohlepreise einen Preisrückgang beim Strom erzeugen. Durch die Erholung der EU-Volkswirtschaften entfällt der Zwang der EU den CO2-Preis auf niedrigem Niveau zu belassen. Die EU wird ihre Vorreiterrolle Europas beim CO2-Ausstoß umsetzen und weitere Preiserhöhungen sind denkbar. Die Volatilität des Strompreises sollte sich reduzieren und die Bedeutung des Einkaufstimings im Strommarkt sollte weiter abnehmen. Wichtiger werden Themen wie Eigenerzeugung oder Optimierung des Stromverbrauchs/Netzkomponente. Auch hier werden Einkäufer ihre langjährigen Strategien anpassen müssen. Beim Erdgas wird sich an der tendenziellen Überversorgung aufgrund zusätzlicher Pipelineprojekte vorerst nichts ändern. Wegen des anhaltend niedrigen Strompreises ist auch nicht mit einer zunehmenden Nachfrage durch Gaskraftwerke zu rechnen.

Was empfiehlt Torsten Maus Einkäufern um den Rohstoffverteuerungen zu begegnen? „Die Trends auf den Rohstoffmärkten sind vom Einkäufer nicht beeinflussbar. Daher gibt es nur die Möglichkeit Rohstoffverteuerungen über den Vertrieb an den Endkunden weiterzugeben.“ Der Einkauf muss unmittelbar mit dem Vertrieb kommunizieren. Mithilfe sauberer Analysen muss Transparenz geschaffen und so dem Vertrieb Argumente an die Hand gegeben werden, den Kunden zu überzeugen Rohstoffklauseln in den Verträgen festzuschreiben. Eine faire Sache für beide Parteien.



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